Schweigend steht die Schülergruppe vor der Wiese, die heute still und verlassen in der spätsommerlichen Sonne liegt. Ihnen wird erklärt, dass an diesem Ort sowjetische Kriegsgefangene, zusammengepfercht von ihren Peinigern, im Winter um ihr Überleben kämpften und über 13.000 Tote in dieser Erde begraben sind. Menschen, die ohne eine Erinnerung an sie und ohne Begräbnis anonym in Massengräbern verscharrt worden sind. Die Schüler des 10. Jahrgangs der Oberschule Bad Fallingbostel sind im Rahmen der Projektwoche „der Weg des Erinnerns“ mit ihren Lehrern hergekommen, um sich mit diesem dunklen Teil der Geschichte ihres Heimatortes zu befassen.

 

Die nächste Station auf dem Weg des Erinnerns führt zu einer Gedenkstätte, an der sich Stelen mit gebrannten Tontäfelchen befinden. Auf diesen Täfelchen stehen die Namen von sowjetischen Kriegsgefangenen, die hier in Oerbke unter unmenschlichen Bedingungen starben. Das erklärte Ziel der Arbeitsgruppe „Weg des Erinnerns“ ist es, den Tausenden von namenlosen Toten ihre Identität zurückzugeben. Nach der Öffnung sowjetische Archive ist es heute möglich, nachzuvollziehen, welche Gefangenen hier starben. Um dieses Ziel zu erreichen, wird jedes Jahr mit den 10. Klassen der Oberschule Bad Fallingbostel eine Projektwoche veranstaltet, in deren Verlauf sich die Schülerinnen und Schüler auf unterschiedliche Art und Weise mit der Geschichte auseinandersetzen und eine Tontafel anfertigen.

 

Diese wird dann am Buß- und Bettag in einer Zeremonie an die Stelen angeschraubt und der Name des Toten wird laut verlesen. Auch in diesem Jahr werden wieder russische Familienangehörige anreisen, die dabei sein möchten, wenn ihren Vorfahren der Name zurückgegeben wird und die quälende Ungewissheit, was mit den Verwandten passiert ist, ein Ende findet.

 

Von Jan-Christian Frühmark